Die Galerie an der Weinstraße
Konstantin Silvester Voit
A PRETTY FACEBOOK IS NOTHING IF YOU HAVE AN UGLY HEART
05.08. - 03.09.2016

Ausgewählte Arbeiten:


Konstantin Voits Arbeit “A PRETTY FACEBOOK IS NOTHING IF YOU HAVE AN UGLY HEART” besteht aus 54 Tafeln, je 50 x 30 cm groß. Die verwendeten Formen stammen von der ältesten Schablone aus der Sammlung des Malfabrik-Direktors. Sie ist von 1876 und wurde vor einigen Jahren in Brasilien ersteigert.

A PRETTY FACEBOOK IS NOTHING IF YOU HAVE AN UGLY HEART Der Titel spielt auf die Oberflächlichkeit der Sozialen Medien an und des häufig anzutreffenden Phänomens (speziell auf Facebook), wenn dort “mehr Schein als Sein” dargestellt wird, Profile gnadenlos geschönt und Freundeslisten auf zig Tausende erhöht werden, um als besonders beliebt oder begehrt zu erscheinen. Der Künstler stolperte in seinem Facebook-Feed über den Spruch “A pretty face is nothing if you have an ugly heart” und hat diesen auf das Konzept des Sozialen Mediums angewandt.

In dieser Arbeit werden sowohl das Bewusstsein wie auch die Sinne angesprochen. Der Betrachter gewinnt starke visuelle Eindrücke durch die silberne Farbe und die Lichtreflektionen, sowie durch den Einsatz von Formen und Design. Von der 140 Jahre alten Schablone wird der Betrachter in eine andere Zeit versetzt. Durch den gesellschaftskritischen Spruch wird er dann zur Selbstreflektion bewegt.

Voit schuf während seines Kunststudiums bei Sigmar Polke an der Hochschule für bildende Künste Hamburg sein Werk „Das System – 1000 Blatt zur Ewigkeit“, welches als Ideenkatalog fungiert und sich in permanenter Expansion befindet. Viele Ansätze seiner späteren Arbeiten können hier rückblickend erkannt werden. Vor allem führte dieses Werk aber zu Voits Malfabrik und dem ersten Block, dem „Musterblock“. Der Künstler hat seine Arbeiten in Blöcke unterteilt, wovon jeder Block zwischen 32 und 119 Bildern enthält. Der „Musterblock“ wiederum enthält Elemente aus allen späteren Blöcken, wie „Kaleidoskop“ oder „Logos“, die Symbole, Logos und Abstraktes beinhalten. Ursprünglich wurden die ersten Blöcke mit Sprayfarbe kreiert, jedoch sind die aktuelleren Arbeiten überwiegend mit Acrylfarbe hergestellt.

Im Jahr 1993 kam der Direktor der Malfabrik zum ersten Mal auf die Schablone - durch sein Werk „Das System“ - und er fing an, solche zu sammeln. Seine erste, die „Ur-Schablone“, ist eine blaue Schablone mit Lokomotiven und Eisenbahnen. Voit untersucht seine Schablonen auf eine fast schon wissenschaftliche Art und Weise, allerdings unter einem künstlerischen Aspekt. Er studiert die Gestaltungsmöglichkeiten mit ihnen, die verschiedenen Designs – aus unterschiedlichen Zeiten und Regionen, Überlagerungen, die ins Abstrakte führen, Spiegelungen und Drucktechniken, sowie die Möglichkeiten der Malerei. Eine der Schablonen ist zum Beispiel auf eine Badekappe gesprayt, was zu spannenden Verzerrungen führt.

Voits Faszination mit den Schablonen erklärt er aus den Eigenschaften, die sie innehaben. Kinderschablonen haben Eigenschaften die sich in seiner Sammlung konstant wiederfinden: Sie sind flach, zweidimensional, zum Linien nachfahren oder zum Ausmalen gedacht. Dazu soll das Motiv schnell erkennbar sein. Trotz dieser Einschränkungen schafft der Künstler es immer wieder, sich aus dem begrenzenden Rahmen zu entfernen und - komplett Out-of-the-Box - visuelle Geschichten, Welten und abstrakte Puzzle entstehen zu lassen. So neuartig die Arbeiten auch scheinen, haben sie dennoch ihre Vorbilder in der Kunstgeschichte. Ein erkennbarer Einfluss war Sigmar Polke, aber auch mit Albert Oehlen oder Victor Vasarely kann man Vergleiche ziehen. Eine dünne, aber herausstechend farbige Linienführung durchdringt oftmals die Werke dieser Künstler. Des Weiteren blieben die Worte Werner Büttners, Professor an der Hamburger Hochschule für bildende Künste, dem Künstler lange Zeit in Erinnerung, als er ihm riet: „Wer das große Format beherrschen will, muss erst das kleine beherrschen“. Voit verließ die großformatigen Arbeiten seiner frühen Schaffensphase und arbeitete über Jahre hinweg kleinformatig. Nachdem er lange genug im Kleinen gearbeitet hatte, näherte er sich allmählich wieder dem Großformat an.

In seiner neuen Ausstellung lassen sich die verschiedenen Ansätze seiner Arbeitsweise ergünden. Elemente aus dem „System“ und aus den verschiedenen Werk-Blöcken sind zu sehen, hiermit eine großartige Gelegenheit sich mit dem Witz und der Finesse des Künstlers auseinanderzusetzen.


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